an den Mann den ich nie kennen lernen durfte

In letzter Zeit ertappe ich mich wieder vermehrt bei der Frage, was aus meinem Bruder wohl geworden wäre? Er ist nun schon bald 18 Jahre tot, und doch hören die Fragen nicht auf. Wie ich schonmal schrieb, die Zeit heilt nicht jede Wunde, sie lernt einen nur mit dem schmerz umzugehen. Dies habe ich gelernt, und doch sind die Fragen halt in mir. Wie würde er es finden, dass ich nun in Deutschland bin? Was würde er von Mike halten, würden sich die beiden sogar verstehen? Wäre er heute verheiratet und hätte Kinder? Ich denk er wäre ein wundervoller Papi geworden. Und ich wär bestimmt Patin von einem seiner Kinder. Dies hat er mir immer gesagt. Ich denke sehr oft an die Zeit wie wir Nächtelang in meinem Zimmer waren und einfach nur geredet haben. Ich kam mir da immer als die ältere vor, denn er kam mit seinen ganzen Sorgen zu mir. Wir redeten solange bis wir eingeschlafen sind, ich im Bett er auf dem Boden. Und wie oft ich ärger gekriegt habe wegen ihm, kann ich gar nicht mehr sagen. Ich weiss nur das es sehr oft war. Denn er haute immer aus meinem Zimmer ab. Da mein Fenster nicht abgeschlossen war, seines aber schon. Ich denk auch oft daran, wie es ihm wohl gegangen ist, bei der Scheidung von unseren Eltern. Ich hab davon nicht viel mit gekriegt, war ja noch ganz klein. Aber er muss einiges mitbekommen haben. Und das danach unsere Mutter ihn geschlagen hat, und später nicht wieder kam, muss ihn wohl ein Stückweit zerbrochen haben. Dies sind alles vermutungen, denn ich kann ihn nicht mehr fragen. Ich würde vieles geben um noch einen Tag mit meinem Bruder zu haben. Ihn alles fragen zu können was ich nicht weiss. Alles wo ich keine Antwort habe, nur ein schwarzes Loch in mir drin. Und ich würd ihn als erstes Fragen, ob er eigentlich wusste wie lieb ich ihn hatte. Wie wichtig er mir war, und wiesehr ich ihn dafür hauen könnte, dass er Drogen genommen hat. Das dies in meinen Augen ein Selbstmord auf Raten war, und er es sich da verdammt einfach gemacht hat. Sich einfach aus dem Leben zu stehlen und danach soll wieder alles so sein, wie es mal war. Tja nur wurde nie wieder etwas wie es war. Ich verlohr nicht nur meinen Bruder, sondern auch meinen besten Freund. Mein Anker wenn ich nicht mehr weiter wusste. Eine Oase die mich glauben lies, alles wird gut, sorg dich nicht ich beschütz dich. Ja ich hab dies irgendwo in Mike gefunden. Aber Mike kann niemals mein bester Freund sein. Denn ich kann nicht zu ihm rennen und über meinen Mann zettern *grins* Ich weiss schon, dies alles bringt nicht viel, aber es tat gut, dies alles mal nieder zu schreiben.

Stephan ich werd dich wohl immer vermissen. Denn du wirst immer ein Teil meines Lebens sein. Du lebst nur woanders wie ich und siehst von da auf uns herab. Ich glaube daran das du fast sowas wie mein Schutzengelchen bist, sei dies bitte weiter. Ich hab dich sehr sehr lieb. Deine Kleine Siss

17.4.11 13:34

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